Was steht auf Ihrer Visitkarte?
Ich habe keine Visitenkarten. :-) In meiner Email-Signatur steht "Senior Project Manager"
In welcher Branche arbeiten Sie?
IT
In welchem Projekt arbeiten Sie zur Zeit?
Ich leite derzeit zwei Programme sowie ein großes mehrjähriges Projekt für externe Kunden. Bei einem Programm geht es um Soft- und Hardware Implementierungsprojekte für einen großen Gesundheitsanbieter, beim anderen Kunden führen wir die komplette M365 Cloud Suite im Unternehmen ein. Bei einem weiteren Projekt bauen wir über mehrere Jahre ein Rechenzentrum aus, in dem Systeme laufen, die von Menschen in ganz Europa genutzt werden. Was all diese Projekte verbindet, ist, dass die Auftraggeber aus dem Bereich der "kritischen Infrastruktur" stammen. Es geht hier also um Systeme, Einrichtungen und Dienstleistungen, die für das Funktionieren und das Wohl einer Gesellschaft unverzichtbar sind. Wenn sie ausfallen oder gestört werden, hätte das erhebliche Folgen für die öffentliche Sicherheit, die Wirtschaft oder das tägliche Leben.
Können Sie uns Ihren Projekt-Alltag bzw. Aufgaben näher erklären?
Mein Alltag besteht zu 90% aus Meetings, in denen ich sicherstelle, dass die richtigen Personen über die richtigen Dinge miteinander sprechen. Die Frage, die ich meinen Teammitgliedern am häufigsten stelle, ist: "Das klingt gut. Und WER macht jetzt WAS bis WANN?"
Womit ich auch sehr viel Zeit verbringe, ist das Erstellen von Entscheidungsunterlagen. Meine Teammitglieder haben das Expertenwissen, aber oft geht es beim Finden von Lösungen nicht darum, die beste inhaltliche Lösung zu finden, sondern jene Lösung mit der alle beteiligten Stakeholder am besten leben können. Ich arbeite hier nach dem Schema "Situation - Complication - Solution" und bereite so Problemstellungen auf. Unter “Situation“ beschreibe ich die Ausgangssituation und den Kontext, vor dem die Entscheidung betrachtet werden muss. Unter “Complication“ beschreibe ich das Problem an sich. Unter “Solution“ beschreiben ich die Lösungsvarianten, zwischen denen gewählt werden kann.
Was macht Ihnen an diesem Projekt so viel Spaß? Was ist Ihre Motivation dahinter?
Ich bin stolz darauf, an Projekten zu arbeiten, die einen echten Unterschied machen. Die Verantwortung, aber auch die Möglichkeit, nachhaltige und sichere Systeme aufzubauen, motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Projektmanagement in diesem Umfeld bedeutet nicht nur Organisation und Struktur — es bedeutet, mit Menschen zu arbeiten, Lösungen zu schaffen und einen Beitrag zu einer stabilen, funktionierenden Gesellschaft zu leisten.
Was ist dabei die größte Herausforderung?
Ich würde sagen, eine der größten Herausforderungen einer Projektmanagerin ist es, die Balance zwischen den unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen der Stakeholder zu halten — oft gibt es technische, finanzielle und strategische Interessen, die nicht immer leicht in Einklang zu bringen sind.
Zusätzlich bleibt der Umgang mit Unsicherheiten und unvorhergesehenen Problemen ein zentraler Punkt. Projekte verändern sich oft durch neue Anforderungen, externe Einflüsse oder unerwartete technische Schwierigkeiten. Es ist nicht jeden Tag leicht, flexibel zu bleiben, schnell Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig den Überblick über alle Arbeitspakete im Programm/ Projekt zu behalten.
Wie lautet Ihr persönliches Arbeitsmotto?
"Kein Plan übersteht den ersten Feindkontakt". Dieses ursprünglich martialische Zitat lässt sich auch auf einen Projektplan übertragen - denn ich habe noch nie erlebt, dass die erste Version eines Projektplans auch tatsächlich gehalten hat. Ich finde es aber wichtig zu verstehen, dass das keine schlechte Sache ist. Pläne ändern sich, und gerade bei komplexen und neuartigen Angelegenheiten, wie es Projekte eben meist sind, ist es vollkommen in Ordnung, einen Plan mehrmals abzuändern. Wichtig dabei ist, bei jeder Planänderung dazuzulernen und nicht die gleichen Annahme-Fehler wie beim letzten Mal wieder zu machen.
Welche Vorteile bringt eine pma/IPMA® Projektmanagement (Agile Leadership) Zertifizierung?
Aus meiner Erfahrung gibt es zwei zentrale Gründe für eine Zertifizierung: Erstens verlangen viele Unternehmen in Ausschreibungen explizit nach zertifizierten Projektmanager*innen. Wer über international anerkannte Zertifizierungen verfügt, hat daher deutlich bessere Chancen, an solchen Projekten beteiligt zu werden und sich im Wettbewerb zu behaupten. Zweitens ist Projektmanagement ein sehr breites Feld, in dem viele Quereinsteiger*innen tätig sind. Zertifizierungen bieten hier einen objektiven Vergleichswert, der die fachliche Kompetenz und das methodische Wissen einer Person belegt. Sie zeigen, dass man nicht nur über praktische Erfahrung verfügt, sondern auch fundierte, standardisierte Kenntnisse nachweisen kann.
Wo finden Sie Ausgleich zu Ihrem Job?
Ich lese in meiner Freizeit viel, gehe gern ins Theater und spiele Klavier.
Zur Person
Meine Ausbildung
- Bakkalaureat und Magisterstudium "Publizistik und Kommunikationswissenschaft" an der Universität Wien
PM-Zertifizierungen
- pma/IPMA® Level C - Certified Project Manager
- pma/IPMA® Level B - Certified Senior Project Manager
Berufsstationen
- Projektmanagement bei BG-thinktank OG, Wien
- Projektmanagement bei UNIQA Insurance Group AG, Wien
- Senior Project Manager bei CANCOM, Wien
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