Die Selbstreflexionsfähigkeit hat hohe Bedeutung für Projektmanager*innen. Sie findet daher auch ihren Niederschlag im Kompetenzkatalog der ICB4/IPMA® und wird unter dem Kompetenzelement „Selbstreflexion und Selbstorganisation“ (Persönliche und soziale Kompetenzelemente, 2.01) wie folgt definiert: „Selbstreflexion ist die Fähigkeit, die eigenen Emotionen, Verhaltensweisen, Vorlieben und Werte sowie deren Einfluss zu erkennen, zu reflektieren und zu verstehen.“

 

Relevanz und Nutzen

Selbstbeobachtung und Selbstreflexion ermöglichen ein erhöhtes Bewusstsein für Selbstwahrnehmung. Selbstreflexion macht unser Handeln und unsere Emotionen kontrollierbarer und steuerbarer. Man kann Gefühle und Emotionen aus einer anderen Perspektive und mit Abstand bewusster wahrnehmen, beobachten und beschreiben. Durch regelmäßige Selbstreflexion lernt man sich selbst besser kennen und mit sich selbst besser umzugehen. Da die Unterdrückung bzw. Verdrängung von Emotionen auch krank machen kann, führt Selbstreflexion oft zu Entspannung und Gelassenheit. Es ist eine Art Psychohygiene für unsere Gesundheit in einer turbulenten VUCA-Zeit. Diese Fähigkeit ist aber auch bei der Vorbereitung für Bewerbungen und insbesondere bei der Selbsteinschätzung (Self-Assessment) im Rahmen der Vorbereitung auf Zertifizierungen nach pma/IPMA® und den damit verbundenen Zertifizierungsinterviews sehr hilfreich!

 

Blockaden bei Selbstreflexion

Die Fähigkeit zur Selbstreflexion kann jedoch auch durch den Unwillen zur Selbstreflexion blockiert werden. Die sogenannte Narzissmusfalle („Ich weiß und kann alles!“) und das Nichtzulassen von eigenen Schwächen, Fehlern und Inkompetenz sowie Verdrängungsmechanismen vernebeln den selbstkritischen Meta-Blick auf das eigene „ICH“. Narzisstische Kränkungen sollten ernst genommen werden und hinterfragt werden: „Warum verteidige ich mich oder agiere ich aggressiv, warum bin ich beleidigt oder gehe in eine Opferhaltung …?“. Man muss raus aus dem „ICH-Kästchen“, die Perspektive wechseln wollen und hinauf auf eine selbstbetrachtende Meta-Ebene. Denn Verdrängung und Selbstbetrug führen nicht zur gewünschten Selbsterkenntnis und vereiteln individuelle Erkenntnis- und Entwicklungschancen. Mut zur Einsicht und Veränderung ermöglicht nachhaltiges Lernen. Tipp: Selbstreflexion erfordert Gelassenheit und Übung!

 

Selbstreflexion im Kontext der ICB4

Als Projektmanager*in hat die Selbstreflexionsfähigkeit hohe Relevanz und wird in der ICB4 im Sinne einer Referenzgrundlage mit all seinen messbaren bzw. beobachtbaren Kompetenzindikatoren einerseits für die Selbstbewertung und andererseits für die Einstufung durch die Assessor*innen bei Zertifizierungsprüfungen beschrieben. Für die Selbsteinschätzung (Self-Assessment) der 28 Kompetenzelemente der ICB4 ist bereits „Selbstreflexion“ die zentrale Kompetenz, um eine authentische Selbstbewertung durchführen zu können. Sie können aus Eigeninteresse oder auch mit der Absicht zu einer PM-Zertifizierung eine Selbsteinstufung zu den 28 Kompetenzelementen auf Basis der ICB4 durchführen. Wie Sie diese professionell und mit authentischem Ergebnis durchführen können, wird in einem weiteren Blog-Beitrag behandelt.

 

Hilfreiche Quellen und Unterlagen zur Selbsteinstufung

Bereits zur Vorbereitung auf den 2. Teil im nächsten Blog-Beitrag hier einige Quellenhinweise:

Peter Birnstingl, MSD, MSc, SPM, CMC

Peter Birnstingl ist seit 2008 selbständiger Unternehmensberater, Trainer, Projektmanager und Wirtschaftsmediator (Firma Projektschmiede Consulting & Training e.U.). Er hat langjährige Führungserfahrung als Berufsoffizier im Bereich Kommunikation und Führungsunterstützung gesammelt. Darüber hinaus hat er außerdem weitere Berufserfahrungen in der Lehrgangsleitung an der Donau Universität in Krems für den Universitätslehrgang „Internationales Projektmanagement MSc“ sowie in Assessorentätigkeit für pma Zertifizierungen gesammelt. Seine beruflichen Schwerpunkte sind Organisationsentwicklung, Projektmanagementberatung/Coaching und Training mit dem Fokus auf den agilen Umgang mit Ungewissheit und Unerwartetem im Kontext von Projektabwicklungen.


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