Ein zentraler Gedanke des Gesprächs: Kompliziert und komplex sind nicht dasselbe. Während komplizierte Aufgaben analysierbar, planbar und berechenbar sind, verhalten sich komplexe Systeme anders. Sobald Menschen, Wechselwirkungen und unvorhersehbare Entwicklungen ins Spiel kommen, lassen sich Ergebnisse nicht mehr mit klassischen Methoden vorhersagen.
Gerade im Projektmanagement werden diese beiden Begriffe oft vermischt. Die Folge: Für komplexe Fragestellungen werden Methoden eingesetzt, die eigentlich für komplizierte Probleme entwickelt wurden.
Warum mehr Regeln oft nicht helfen
Thomas Pisar und Ulrike Huber im pma Podcast-Studio
Wer bei Unsicherheit reflexartig nach mehr Prozessen, mehr Kontrolle und mehr Regeln ruft, könnte damit unbeabsichtigt genau das Gegenteil erreichen.
Thomas Pisar argumentiert, dass komplexe Systeme nicht vollständig steuerbar sind. Statt immer neue Vorgaben einzuführen, sei es oft sinnvoller, das Verhalten des Systems zu beobachten, kleine Veränderungen auszuprobieren und daraus zu lernen. Entscheidend sei dabei nicht die perfekte Planung, sondern die Fähigkeit, auf Entwicklungen zu reagieren.
Lernen statt Absichern
Ein weiterer spannender Aspekt der Folge betrifft den Umgang mit Unsicherheit. Projekte werden häufig so behandelt, als ließen sich alle Risiken im Vorfeld identifizieren und bewerten. In der Praxis zeigt sich jedoch oft, dass die größten Herausforderungen gerade dort entstehen, wo noch gar nicht klar ist, was passieren könnte.
Anstatt ausschließlich auf Planung und Risikoanalysen zu setzen, plädiert Pisar für kleine, sogenannte „Safe-to-Fail“-Experimente. Sie ermöglichen Erkenntnisse, ohne das gesamte Projekt zu gefährden. Der Fokus liegt dabei auf ehrlichem Lernen und nicht auf der Bestätigung bereits getroffener Annahmen.
Was bedeutet das für Projektmanager*innen?
Die gute Nachricht: Komplexität bedeutet nicht, dass man handlungsunfähig wird. Im Gegenteil. Projektmanager*innen verfügen heute über zahlreiche Methoden und Vorgehensweisen, um in komplexen Umfeldern erfolgreich zu arbeiten – von agilen Praktiken bis hin zu experimentellen Vorgehensweisen. Entscheidend ist, die richtige Methode für die jeweilige Situation auszuwählen.
Wer Komplexität als Chance begreift, kann Entwicklungen erkennen, die in klassischen Projektplänen oftmals unsichtbar bleiben. Genau darin liegt laut Pisar die eigentliche Stärke eines modernen Projektmanagements.
Mehr dazu im pma Podcast
Wie unterscheiden sich Komplexität und Unsicherheit? Welche Rolle spielen Experimente im Projektmanagement? Und warum kann sogar das Konzept der Antifragilität für Projekte relevant sein? Diese und weitere Fragen diskutieren Ulrike Huber und Thomas Pisar ausführlich in der aktuellen pma Podcast-Folge. Jetzt reinhören und entdecken, warum Komplexität nicht das Problem sein muss – sondern Teil der Lösung sein kann.



